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Die Website der PPT&iMPD-Arbeitsgruppe
finden sie hier.
Übersicht
Am Institut für Raumfahrtsysteme (IRS)
wird in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt
(DLR) und internationalen Einrichtungen an
der Entwicklung eines instationär gepulsten
magnetoplasmadynamischen (iMPD) Triebwerks geforscht. Ziel ist die
Qualifikation eines flugfähigen Triebwerkes für zwei vom IRS
geplante Kleinsatellitenmissionen: Mondsatellit Lunar Mission BW1
und der Technologieträger PERSEUS.
Damit ist das IRS das erste Forschungsinstitut in Westeuropa, das sich
neben den USA, Russland und Japan mit der systematischen Entwicklung
dieser Triebwerke befasst.
Bei stationären
MPD-Triebwerken wird der Vorteil eines hohen spezifischen Impulses
mit dem Einsatz hoher elektrischer Ströme und Leistungen (>100
kW unter Laborbedingungen) erkauft. Dies bedingt die Entwicklung
geeigneter Energiequellen zur Bereitstellung der elektrischen Leistung.
Werden MPD-Triebwerke im instationär
gepulsten Modus betrieben, können auch Raumflugkörper (wie
z.B oben genannte Kleinsatelliten), deren Energiequelle ein eher
geringes Leistungsvermögen aufweist, mit diesen Antrieben
ausgerüstet werden. Dies wird möglich, indem die zur
Verfügung stehende elektrische Leistung verwendet wird, um
zwischen den Pulsen elektrische Energie in Speicherkondensatoren zu
sammeln, welche dann in wenigen Mikrosekunden im Triebwerk in
kinetische Energie des Treibstoffs umgesetzt wird. Bei Pulszeiten von
einigen Mikrosekunden wird der Ablauf eines Entladungspulses auf Grund
des wirksam werdenden „Skin“-Effektes durch die elektro- und
magnetodynamischen Eigenschaften des Entladungsstromkreises, gebildet
aus den Komponenten des iMPD und dem beschleunigten Plasma, bestimmt.
Bei instationär gepulsten
MPD-Eigenfeldtriebwerken,
wie auch bei kontinuierlich betriebenen,
bewirkt die Lorentzkraft, d.h. die Wechselwirkung
bewegter Ladungsträger mit dem selbstinduzierten Magnetfeld, die
Beschleunigung
des Treibstoffs.
Funktionsprinzip

In obenstehendem Bild ist ein
Parallelschienenbeschleuniger mit festem Treibstoff schematisch
dargestellt, der bislang
einzige im Weltraum eingesetzte iMPD-Typ. Er
besteht aus einer Kondensatorbank, an die zwei Elektroden angeschlossen
sind. Zwischen den Elektroden ist ein Treibstoffblock aus festem PTFE
(Polytetrafluorethylen; „Teflon®”) platziert, der bei
Verbrauch mechanisch nachgeführt wird. Zu Beginn des mit einer
Zündhilfe eingeleiteten Entladungspulses wird eine bestimmte Menge
PTFE an der Blockoberfläche ablatiert. Die Treibstoffschicht wird
ionisiert und löst durch den Kurzschluss der Elektroden die
Hauptentladung der Kondensatoren aus. Der Entladungsvorgang kann durch
einen Serienschwingkreis modelliert werden, daher wechselt das
Vorzeichen von Strom und Spannung während eines Pulses. Die
bewegten Ladungen des Entladestroms wechselwirken mit dem von ihnen
erzeugten Magnetfeld und erfahren daher eine elektromagnetische Kraft,
auch bekannt als Lorentzkraft. Durch die Kraftwirkung wird die
Plasmaschicht beschleunigt und ausgestossen. Die elektrischen und
geometrischen
Triebwerksparameter und der Betriebs werden derart aufeinander
abgestimmt, dass die Verluste minimiert werden und ein möglichst
großer Anteil der zu Beginn im Kondensator gespeicherten Energie
in kinetische Energie des beschleunigten Treibstoffes übergeht.
Vorteile des instationären MPD Antriebs
Ein großer Vorteil von iMPD-Triebwerken
ist ihr Vermögen, hohe spezifische Impulse und somit hohe
effektive Austrittsgeschwindigkeiten bei niedrigem Leistungsbedarf zu
liefern. Dies ermöglicht die Reduzierung des Treibstoffbedarfs
für eine gegebene Mission und spart damit Treibstoffmasse ein oder
verlängert die Betriebszeit für eine gegebene
Treibstoffmasse. Durch die Regelung der Pulsfrequenz lässt sich
während einer Mission die benötigte elektrische Leistung des
Triebwerks an die je nach Verbrauchssituation auf dem Satelliten
verfügbare Leistung dynamisch anpassen. Ein weiterer Vorteil sind
die sehr kleinen, gut reproduzierbaren Impulse, für den Ausgleich
von Störmomenten, Driftbewegungen usw. welche es erlauben Lage-
und Bahnfehler hochgenau und auf längere Zeit zu korrigieren. Dies
ist sehr wichtig für Satelliten bzw. Satellitenkonstellationen,
deren Missionserfolg entscheidend von der Genauigkeit ihrer Positionen
und Orientierungen abhängt. Wegen der Verwendung festen
Treibstoffs sind keine Behälter und Pumpen notwendig, was mit
einer einfachen und robusten Konstruktion einhergeht und wiederum
Gewicht einspart.
Derzeitiger Stand
Das Triebwerk SIMP-LEX (Stuttgart Impulsing
MagnetoPlasmadynamic thruster for Lunar EXploration) wurde als
Ingenieurmodell für wissenschaftliche Untersuchungen und die
Qualifikation entwickelt. Dafür sind am IRS mehrere
Versuchsstände im Einsatz, in denen das Triebwerk unter
Hochvakuumbedingungen betrieben werden kann. Zur
Charakterisierung der Leistungsfähigkeit werden veschiedene
Messverfahren eingesetzt und optimiert. So ist neben der Messung der
elektrischen Eigenschaften des Triebwerks, also Spannung, Strom, etc.,
auch die Bestimmung des pro Entladungspuls erzeugten Impulses mit Hilfe
einer hochgenauen Schubmesswaage möglich. Durch den Einsatz von
elektrostatischen Flugzeitsonden und Magnetfeldsonden, werden
Eigenschaften des entstehenden Plasmas und die Bedingungen im Raum
zwischen den Triebwerkselektroden gemessen. Parameterstudien mit
dem Ziel der Leistungsoptimierung sowie erste
Lebensdaueruntersuchungen führten zu einer Designänderung und
damit zu einer neuen Triebwerksgeneration genannt ADD SIMP-LEX. An
diesem werden aktuell weitere Untersuchungen durchgeführt und mit
dem Übergang vom Ingenieurmodell zum Flugmodell wurde begonnen.
ADD SIMP-LEX ist im untenstehenden Bild dargestellt.

Internationale Kooperation
Das IRS steht im engen Kontakt mit
Forschungszentren weltweit (RIAME Moskau, University of Tokyo,
University of Surrey, Austrian Research Centers u.a.) die ebenfalls
gepulste instationäre MPD-Triebwerke entwickeln. Um diesen Kontakt
zu intensivieren wurde 2007 auf Initiative des IRS und mit
Unterstützung des DLR eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, als
Plattform für den gesunden Informationsaustausch, zur
Förderung der Kooperation im Rahmen von gemeinsamen Projekten und
dem Austauschs von Forschern und Ideen und zur Konsolidierung der
Forschung. Die Webseite
der Arbeitsgruppe enthält eine Übersicht der Mitglieder sowie
aktuelle Ausschreibungen für Studien- und Diplomarbeiten.
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