Der Flying Laptop mit Geburtstagshütchen

14. Juli 2020 / Sabine Klinkner, Matthias Langer

Der Flying Laptop feiert Geburtstag

Seit drei Jahren im Orbit: Der Satellit Flying Laptop fliegt auch an seinem dritten Geburtstag noch voll funktionsfähig um die Erde

Ausgelegt für eine Betriebsdauer von 2+ Jahren feiert der Flying Laptop heute seinen dritten Jahrestag im Weltraum. Auch nach drei Jahren Betrieb in Weltraumumgebung ist der Satellit noch voll funktionsfähig und weiterhin im nominellen Betrieb.

Auch in seinem dritten Betriebsjahr führt der Flying Laptop weiterhin regelmäßig Kampagnen mit seinen Nutzlasten durch: Die Vegetationsbeobachtung in Kooperation mit der UPM in Malaysia konnte erfolgreich ausgebaut werden, mit Hilfe der Panoramakamera ist die Kartographierung Europas weit fortgeschritten, und auch mit dem AIS-Empfänger werden regelmäßige Kampagnen durchgeführt. Unter anderem zeichnet der Flying Laptop regelmäßig das AIS Signal der Polarstern auf um die MOSAiC Expedition in der Arktis zu verfolgen.

Auch im Bereich Technologieerprobung gab es neue Erfolge. Die Ausrichtungsgenauigkeit konnte weiter gesteigert werden. Hierfür wurde unter anderem die Georeferenzierung von Bildern der Multispektralkamera genutzt, um die Ausrichtung des Satelliten bei Aufnahme der Bilder zu erfassen und daraus eine Verbesserung der Ausrichtung abzuleiten. Darauf aufbauend konnte auch die Zuverlässigkeit des OSIRIS Laser Downlinks weiter verbessert werden.

Eine der größten Herausforderungen, die im dritten Betriebsjahr zu meistern war, war ein Strahlungszwischenfall im November 2019. Die FDIR (Fehlererkennung und -behebung) - Strategie des Satelliten hat zuverlässig dafür Sorge getragen, dass der Satellitenzustand immer unkritisch war, jedoch haben einige Geräte aufgrund des Strahlungstreffers sich zunächst nicht wie erwartet verhalten. Daher musste der Satellit ähnlich wie bei der Inbetriebnahme Stück für Stück untersucht und analysiert werden, bevor der nominelle Betrieb im Januar 2020 wiederaufgenommen werden konnte.

Auch die Betriebskonzepte des Flying Laptop wurden weiter optimiert. Die weitergehende Automatisierung auf Boden- und Satellitensegment haben neben der Reduktion von Betriebspersonal und gleichzeitiger Steigerung der Zuverlässigkeit zu einer immer höheren Auslastung des Satelliten geführt. Die Auslastung des Satelliten ist inzwischen ausschließlich durch die Downlink-Kapazitäten begrenzt, trotz eines zusätzlichen Downlinkpass über Ny Alesund jeden Tag. Deswegen wird weiterhin intensiv am Ausbau des Bodenstationsnetzwerks, unter anderem mit Malaysia, gearbeitet. Auch der Aufbau einer redundanten Bodenstation in Stuttgart wurde vorangetrieben. Diese wird in den kommenden Wochen in Betrieb genommen und die Zuverlässigkeit des Stuttgarter Bodensegments weiter steigern. Dies ist auch eine Vorbereitung für die Folgemissionen, die derzeit an der Universität Stuttgart entwickelt werden. Genauso wie die Erweiterung des hochautomatisierten Bodensegments für den dann notwendigen  Multimissionsbetrieb.

Die ganzen Automatisierungsmaßnahmen haben gleichzeitig dazu beigetragen, dass der nominelle Betrieb trotz der Einschränkungen durch die Corona Pandemie ohne Unterbrechung und mit nur geringen Einschränkungen weitergeführt werden konnte.

Außerdem stand der Flying Laptop auch in seinem dritten Betriebsjahr als anschauliches Studienobjekt für viele studentische Abschlussarbeiten und zweier erfolgreich abgeschlossener Promotionen zur Verfügung. Mehrere Besuchergruppen haben den Kontrollraum an der Universität Stuttgart besucht und das Flying Laptop Team war sehr aktiv, Ergebnisse der Mission unter anderem auf einem eigenen Workshop in Stuttgart sowie auf verschiedenen Konferenzen der Öffentlichkeit und den Fachkolleginnen und –kollegen vorzustellen.

Das Flying Laptop Team möchte diesen Jahrestag zum Anlass nehmen nochmal allen ganz herzlich zu danken, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, es unterstützen und möglich gemacht haben, insbesondere beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, dem DLR Raumfahrtmanagement und der Universität Stuttgart. Wir erinnern dankbar an Prof. Hans-Peter Röser und Christian Nitzschke.

Das FLP Team im Homeoffice (zum Vergrößern klicken)
Das FLP Team im Homeoffice (zum Vergrößern klicken)

Fachlicher Kontakt

Sabine Klinkner
Prof. Dr.-Ing.

Sabine Klinkner

Professorin für Satellitentechnik

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