Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des J.-Heyrovský-Instituts für Physikalische Chemie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften hat erstmals das ultraviolette Spektrum eines Meteors direkt aus der Stratosphäre aufgezeichnet und anschließend mithilfe innovativer Software detailliert ausgewertet. Die Universität Stuttgart brachte ihre umfassende Expertise im Missionsdesign und in der Systemanalyse von Satelliten in das Konsortium ein und leistete damit einen entscheidenden Beitrag zu dieser technologischen Weltpremiere.
Bereits im Dezember 2024 startete die tschechischen Ballonmissionen MORANA 1–3, um in Höhen von bis zu 30 Kilometern das Spektrum einer Sternschnuppe aufzuzeichnen, die Ihren Ursprung in den Geminiden hatte – erste Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.
Der Erfolg stellt einen wichtigen Schritt in Richtung der Entwicklung neuartiger Hyperspektralkameras dar, die künftig in CubeSat-Konstellationen eingesetzt werden sollen. Ziel ist die globale Überwachung von Meteoren, Raumfahrzeug-Wiedereintritten, Blitzen sowie weiteren leuchtenden Phänomenen in der Erdatmosphäre.
Zentrale IRS-Beiträge zur Missionsentwicklung
Das Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart entwickelt gemeinsam mit dem studentischen Kleinsatellitenverein KSat die CubeSat-Mission SOURCE (Stuttgart Operated University Research CubeSat for Evaluation and Education), die unter anderem videobasierte Meteorbeobachtungen aus dem Weltraum ermöglichen soll. Aufbauend auf diesen Arbeiten unterstützte das IRS das internationale Konsortium bei der Definition zentraler Missionsparameter sowie der Optimierung der Beobachtungsgeometrie und stärkte damit das Gesamtsystemdesign maßgeblich. Auch die Leistungsfähigkeit der Hyperspektralkamera unter realistischen Bedingungen sicherte das IRS mit ab. Darüber hinaus brachte das IRS seine Expertise in die Integration von Nutzlasten für zukünftige CubeSat-Plattformen ein.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung skalierbarer Satellitenkonstellationen ein, die künftig eine globale und kontinuierliche Beobachtung von Meteoren, Wiedereintritten und weiteren atmosphärischen Leuchterscheinungen ermöglichen sollen.
Grenzen bodengestützter Beobachtung
Bisher basieren die meisten meteorastronomischen Beobachtungen auf bodengestützten Netzwerken. Diese erfassen jedoch nur einen begrenzten Teil des Himmels und sind durch atmosphärische Einflüsse eingeschränkt. Insbesondere der ultraviolette Spektralbereich bleibt vom Boden aus weitgehend unzugänglich. Dabei liefert gerade die Spektralanalyse wichtige Informationen über die elementare Zusammensetzung extraterrestrischen Materials, das jährlich in die Erdatmosphäre eintritt.
Neben Meteoren spielen auch Raumfahrzeug-Wiedereintritte, Weltraummüll sowie komplexe Plasma-Phänomene eine zentrale Rolle für das Verständnis atmosphärischer Prozesse. Gleichzeitig bleiben große Regionen der Erde – etwa Ozeane, Polarregionen oder Wüsten – bislang nur unzureichend beobachtet.
Technologieentwicklung für den Weltraumeinsatz
Die Ergebnisse markieren einen wichtigen Schritt hin zu satellitengestützten Beobachtungsnetzwerken. Der erfolgreiche Stratosphärentest demonstriert die Einsatzfähigkeit der Hyperspektralkamera unter weltraumnahen Bedingungen und für zukünftige Missionen. Im Rahmen des neuen deutsch-tschechischem Projektes LILA (Laser-Induced Breakdown Spectroscopy & Laser Ablation Mass Spectrometry, sollen dazu beispielsweise weiterführende Experimente in den Plasmawindkanälen der Universität Stuttgart durchgeführt werden, um die Technologie weiter zu validieren und für den Orbitbetrieb zu qualifizieren. Parallel dazu arbeitet das IRS an der Entwicklung von LIBS-Systemen (Laser-Induced Breakdown Spectroscopy), die künftig bei planetaren Missionen auf Mond- und Marsrovern zum Einsatz kommen sollen.
Das Projekt LILA wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, Projekt-Nr. 56962926) sowie die Tschechische Wissenschaftsstiftung (GAČR, Projekts-Nr. 26-22475K) gefördert.
Fachlicher Kontakt:
RNDr. Ferus Martin Ph.D.
E-Mail: martin.ferus@jh-inst.cas.cz
Tel.: +420 26605 3204
Pressekontakt:
Dr. Dörte Mehlert
IRS-Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: doerte.mehlert@irs.uni-stuttgart.de
Tel.: +49 711-685-69632
Weitere Links:
- Heyrovský-Institut für Physikalische Chemie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften https://www.jh-inst.cas.cz/
Luft- und Raumfahrtforschung an der Universität Stuttgart
Die Stuttgarter Luft- und Raumfahrt ist eine bundesweit einzigartige interdisziplinäre Ideenschmiede für Schlüsseltechnologien im All und auf der Erde. Forschende der Universität Stuttgart bündeln Expertisen auf den Gebieten der Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik sowie des KI-basierten Fliegens. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erforschung nachhaltiger technologischer Lösungen, die die ökologischen Auswirkungen der Luft- und Raumfahrt minimieren sollen. Geforscht wird interdisziplinär und im engen Dialog mit regionalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie, etwa im Rahmen der Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364). Als Partner von THE Aerospace LÄND trägt die Universität Stuttgart zur Umsetzung der baden-württembergischen Landesstrategie bei, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ zu machen. Ihren Studierenden bietet die Universität eine fundierte ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung kooperiert sie mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“, einer Initiative des Landes Baden-Württembergs, die sich für die Stärkung der Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern engagiert.