Eine Basis auf dem Mond – mit eigener Ressourcengewinnung, anmietbaren Forschungslaboren und vielleicht sogar als Sprungbrett zum Mars? Solche Szenarien werden zunehmend realistischer. Höchste Zeit also, mit Kreativität, Inspiration und Know-how Zukunftsprojekte dieser Art zu planen. Genau das haben 42 Studierende aus 17 Ländern im Rahmen des Space Station Design Workshops (SSDW) vom 23. bis 29. August 2025 am Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart getan.
Die Aufgabe
Die Teilnehmenden – aufgeteilt in die Teams Gold und Black – sollten eine astronautische Mondbasis entwerfen, die ab dem Jahr 2035 für mindestens 50 Jahre betrieben werden kann und möglichst unabhängig von Nachschub von der Erde ist. Neben der direkten Energie- und Materialgewinnung vor Ort sollten auf Pflanzen und Algen basierende bioregenerative Lebenserhaltungssysteme genügend Nahrung und Sauerstoff bereitstellen und damit das Überleben der Astronautinnen und Astronauten sichern.
Die Mondbasis sollte somit nicht nur Wohnort, sondern auch Arbeits- und Forschungsstätte für die Bewohner und Bewohnerinnen sein. Dabei galt es nicht nur die körperliche Unversehrtheit sicherzustellen – etwa durch eine fortschrittliche Abschirmung gegenüber der kosmischen Strahlen -, sondern auch für mentale Gesundheit zu sorgen.
Um die Komplexität einer solchen Außenstelle zu erfassen, arbeiteten die Teams interdisziplinär: Vertreten waren u. a. Luft- und Raumfahrttechnik, Wirtschaftswissenschaften, Medizin und Architektur.
„Solche Übungen sind ein wichtiger Schritt, um zukünftige Raumfahrtszenarien realistisch und interdisziplinär vorzudenken. Die kreativen Ideen und der Einsatz der Studierenden beeindrucken jedes Jahr aufs Neue“, sagte Prof. Claas Olthoff, Professor für Astronautik und Exploration am IRS.
Von der Idee zur Vision
Beide Gruppen entwickelten eine modulare, erweiterbare Mondbasis samt Konzepten für Kommunikation, Datentransfer zur Erde und Finanzierung. Um die Abschlusspräsentationen rechtzeitig fertigzustellen, wurde sogar eine Nachtschicht eingelegt.
Unterstützt wurden die Studierenden von 27 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Forschung und Industrie. Eine Jury – darunter der deutsche Astronaut Reinhold Ewald – bewertete am Ende die Konzepte und kürte die überzeugendste Vision für eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond.
… and the Winner is …
Den Sieg holte sich Team Black mit seinem Konzept OASIS (Outpost for Advanced Surface Infrastructure & Settlements). Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von QASIS zentralen Bausteinen: der Satellitenkonstellation MoonLink für eine zuverlässige Kommunikation, LUNARIS, eine kommerzielle Forschungsplattform mit vielseitig nutzbaren Einrichtungen, sowie EXTRACTA, ein System zur Gewinnung und Nutzung lokaler Ressourcen.
Das Rennen um den ersten Platz war knapp, denn auch Team gelb hat mit seiner Station ALFHEIM (Advanced Lunar Facility for Habitation, Exploration, Innovation & Maintenance) ein umfassendes Konzept geliefert. Aber wie im wirklichen Leben, kann es nur ein Gewinnerteam geben.
Der Space Station Design Workshop
Der SSDW bringt seit 1996 Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen – etwa der Luft- und Raumfahrttechnik, der Wirtschaftswissenschaften oder der Architektur – zusammen.
Unterstützt werden die interdisziplinären Teams von 27 Expert*innen aus Wissenschaft, Forschung und Industrie. Eine Jury, der unter anderem der deutsche Astronaut Reinhold Ewald angehört, bewertet die Konzepte beider Teams und kürt die überzeugendste Zukunftsvision.
Weitere Informationen:
- Team Black:
- Team Gold:
- SSDW-Instagram-Video
- SSDW Homepage
- Homepage des Instituts für Raumfahrtsysteme
Organized by:
Luft- und Raumfahrtforschung an der Universität Stuttgart
Die Stuttgarter Luft- und Raumfahrt ist eine bundesweit einzigartige interdisziplinäre Ideenschmiede für Schlüsseltechnologien im All und auf der Erde. Forschende der Universität Stuttgart bündeln Expertisen auf den Gebieten der Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik sowie des KI-basierten Fliegens. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erforschung nachhaltiger technologischer Lösungen, die die ökologischen Auswirkungen der Luft- und Raumfahrt minimieren sollen. Geforscht wird interdisziplinär und im engen Dialog mit regionalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie, etwa im Rahmen der Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364). Als Partner von THE Aerospace LÄND trägt die Universität Stuttgart zur Umsetzung der baden-württembergischen Landesstrategie bei, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ zu machen. Ihren Studierenden bietet die Universität eine fundierte ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung kooperiert sie mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“, einer Initiative des Landes Baden-Württembergs, die sich für die Stärkung der Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern engagiert.
Über die Zukunftsoffensive
Die „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs für Baden-Württemberg“ verfolgt das Ziel, junge Menschen im MINT-Bereich gezielt zu fördern und ihr Interesse an Natur- und Ingenieurswissenschaften insbesondere mit Blick auf die Luft- und Raumfahrt sowie die Geodäsie zu stärken. Als Teil der Fakultät 6: Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie der Universität Stuttgart wird sie durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert und ist Part of THE Aerospace LÄND.