Die am Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart entwickelte Wiedereintrittskapsel KRACO ist erfolgreich im Rahmen der internationalen KREPE-3 Mission der University of Kentucky in Lexington zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Die Kapsel wurde von der High Enthalpy Flow Diagnostics Group (HEFDiG) des IRS entwickelt und befindet sich nun an Bord des Versorgungstransporters Cygnus NG-24 auf dem Weg zur ISS.
Der Transporter startete am 11. April 2026 von Cape Canaveral aus an Bord einer Falcon 9-Rakete von SpaceX – aus der Ferne verfolgt von HEFDiG-Gruppenleiter Stefan Löhle und seinem Team.
Innovative Materialien für den Wiedereintritt
Die KRACO-Kapsel ist Teil eines Pakets von zwölf Experimentkapseln, die im Rahmen der KREPE-3-Mission zentrale Fragestellungen zum atmosphärischen Wiedereintritt von Raumfahrzeugen untersuchen. Prof. Alexandre Martin (University of Kentucky), Projektleiter von KREPE 3, schlug der HEFDiG-Gruppe vor, eine eigene Kapsel zu entwickeln, und ermöglichte deren Integration in die KREPE-Mission. „Mit KRACO können wir erstmals unter realen Wiedereintrittsbedingungen untersuchen, was unser Hitzeschutzmaterial HARLEM leistet und ob der violette Marker tatsächlich im realen Umfeld funktioniert“, erklärt Stefan Löhle. „Die gewonnenen Daten tragen mit Sicherheit dazu bei, die Effizienz zukünftiger Wiedereintrittskapseln zu verbessern.“
Ein besonderes Merkmal der KRACO-Kapsel ist das von HEFDiG entwickelte Hitzeschutzmaterial HARLEM (HEFDiG Ablation-Research Laboratory Experiment Material). Dieses ist teilweise mit einem violetten spektralen Marker versehen, der die optische Identifikation der Kapsel während des Wiedereintritts ermöglicht und ihre Beobachtung aus der Ferne erleichtert. Darüber hinaus ist KRACO mit speziell entwickelten Sensoren des IRS sowie der University of Kentucky ausgestattet. Während des Wiedereintritts übertragen sie per Funk Messdaten an das Team von Stefan Löhle. Die Daten liefern wertvolle Erkenntnisse über thermische Belastungen und das Verhalten von Hitzeschutzmaterialien unter realen Wiedereintrittsbedingungen.
Beitrag zur Vorbereitung zukünftiger ESA-Missionen
Der Name KRACO ist eine Anlehnung an die für 2027 geplante europäische Wiedereintrittskapsel DRACO (ESA Wiedereintrittskapsel). Durch seine Form und die spezielle Beschichtung mit dem spektralen Marker soll KRACO wichtige Fragestellungen für diese zukünftige Mission adressieren.
Damit kann KRACO als sogenannte De-Risk-Mission verstanden werden: Technologien und Messmethoden werden unter realen Bedingungen erprobt, um Risiken für zukünftige europäische Raumfahrtprojekte zu reduzieren.
Beobachtung des Wiedereintritts geplant
Nach dem Andocken an die ISS wird der Cygnus-Transporter die Raumstation zunächst mehrere Monate lang versorgen. Im November soll das Modul wieder abgekoppelt werden. Beim anschließenden Wiedereintritt über dem Südpazifik werden die zwölf Experimentkapseln freigesetzt – darunter auch KRACO.
Während jede Kapsel unterschiedliche Aspekte des Wiedereintritts untersucht, konzentriert sich KRACO besonders auf die Performance des HARLEM-Hitzeschutzmaterials sowie seines spektralen Markers. Das HEFDiG-Team plant, den Wiedereintritt zusätzlich aus einem Forschungsflugzeug zu beobachten. So können die Telemetriedaten der Kapsel anschließend mit optischen Messungen kombiniert werden.
Kontakt:
Dr. Stefan Löhle
HEFDiG-Gruppenleiter
Tel.: +49 711-685-62387
E-Mail: loehle@irs.uni-stuttgart.de
Dr. Dörte Mehlert
IRS-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 711-685-69632
E-Mail: doerte.mehlert@irs.uni-stuttgart.de
Weitere Links zur News:
- High Enthalpy Flow Diagnostics Group (HEFDiG)
- KREPE-3 Flight: Send Off, News der University of Kentucky, 20. Februar 2026
- NG-24 Missions-Seite von SpaceX
- Video vom Start der Falcon 9
- Intro ab 12:03
- Videobeginn um 12:28
- final Countdown und Lift off: 23:07
Luft- und Raumfahrtforschung an der Universität Stuttgart
Die Stuttgarter Luft- und Raumfahrt ist eine bundesweit einzigartige interdisziplinäre Ideenschmiede für Schlüsseltechnologien im All und auf der Erde. Forschende der Universität Stuttgart bündeln Expertisen auf den Gebieten der Klima- und Energieforschung, Kommunikationstechnologie, Antriebstechnik sowie des KI-basierten Fliegens. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erforschung nachhaltiger technologischer Lösungen, die die ökologischen Auswirkungen der Luft- und Raumfahrt minimieren sollen. Geforscht wird interdisziplinär und im engen Dialog mit regionalen und internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie, etwa im Rahmen der Sonderforschungsbereiche ATLAS (SFB 1667) und SynTrac (SFB-TRR 364). Als Partner von THE Aerospace LÄND trägt die Universität Stuttgart zur Umsetzung der baden-württembergischen Landesstrategie bei, die Luft- und Raumfahrt bis 2050 nachhaltig, digital und kooperativ zu machen. Ihren Studierenden bietet die Universität eine fundierte ingenieurwissenschaftliche und anwendungsorientierte Ausbildung. In der Nachwuchsförderung kooperiert sie mit der „Zukunftsoffensive Luft- und Raumfahrt-Nachwuchs“, einer Initiative des Landes Baden-Württembergs, die sich für die Stärkung der Nachwuchsförderung in den MINT-Fächern engagiert