Destiny+ Dust Analyzer

DESTINY+-Staubanalysator erfolgreich an JAXA ausgeliefert

28. Mai 2026 /

[Bild: IRS]

Das Flugmodell des DESTINY+ Dust Analyzer (DDA) ist nach einer knapp einwöchigen Reise in Japan eingetroffen und am 28. Mai 2026 an die japanische Raumfahrtagentur JAXA übergeben worden. Damit erreicht das internationale Instrumentenprojekt unter Verantwortung von Ralf Srama und Leitung von Heiko Strack vom Institut für Raumfahrtsysteme (IRS) der Universität Stuttgart einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Mission DESTINY+.

Der DDA ist ein Staubteleskop der neuesten Generation zur direkten Analyse kosmischer Staubteilchen im Weltraum. Er bestimmt Geschwindigkeit, Masse, Flugrichtung, elektrische Ladung und chemische Zusammensetzung einzelner Partikel. Mit neun Messkanälen und einem neu entwickelten zweiachsigen Ausrichtsystem gehört der DDA zu den komplexesten Staubinstrumenten, die bislang für den Weltraumeinsatz entwickelt wurden.

Destiny+ Dust Analyzer
Destiny+ Dust Analyzer

Weit mehr als Staub

Kosmischer Staub besteht aus mikroskopisch kleinen Partikeln aus Silikaten, Kohlenstoffverbindungen und Metallen. „Diese Teilchen sind weit mehr als Staub im Weltraum“, erklärt Ralf Srama, Leiter der Staubforschung am IRS. „Sie sind grundlegende Bausteine des Universums und spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung organischer Moleküle, von Sternen und Planeten – und damit auch der Voraussetzungen für Leben.“.

Ein zentrales wissenschaftliches Ziel der DESTINY+-Mission ist der Vorbeiflug am aktiven Asteroiden (3200) Phaethon im Jahr 2030. Dabei wird der DDA Mikropartikel aus dem Schweif des Asteroiden analysieren, die durch Einschläge von Meteoroiden auf der Asteroidenoberfläche freigesetzt werden. Phaethon ist zudem der Mutterkörper der Geminiden, eines Meteorstroms, der regelmäßig im Dezember als Sternschnuppenschauer am Nachthimmel sichtbar ist.

Der DDA wird jedoch schon kurz nach dem Start der Raumsonde aktiviert, so dass bereits auf dem Weg zu Phaeton kontinuierlich Daten zu interplanetarem und interstellarem Staub gewonnen werden können. Als erster wissenschaftlicher Meilenstein von DESTINY+ gilt der Vorbeiflug am nur 350 m großen Asteroiden Apophis. Dieser erdnahe Körper wird am 13. April 2029 in einem Abstand von lediglich 32.000 km an der Erde vorbeifliegen. Destiny+ wird damit noch vor der Raumsonde RAMSES die Gelegenheit haben, diesen kleinen Körper zu erforschen.

Destiny+ (künsterische Darstellung).
Destiny+ (künsterische Darstellung).

Sieben Jahre Entwicklung

Im Jahr 2019 beauftragte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Universität Stuttgart mit der Entwicklung des Staubinstruments für die bilaterale DESTINY+-Mission von JAXA und DLR. In sieben Jahren Entwicklung, Fertigung, Qualifikation und Validierung meisterte das IRS-Team insbesondere Herausforderungen bei Masseanforderungen an die mechanische Struktur und bei den elektrischen und mechanischen Schnittstellen zur Raumsonde.
Ein abschließender Funktionstest im weltweit einzigartigen 2-MV-Staubbeschleuniger der Universität Stuttgart im Frühjahr 2026 bestätigte die volle Einsatzfähigkeit des Instruments unter Weltraumbedingungen.

Die Stuttgarter Staubgruppe verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und im Betrieb wissenschaftlicher Staubinstrumente. Sie verantwortete unter anderem den Cosmic Dust Analyzer der Mission Cassini–Huygens sowie Beiträge zu LADEE, Europa Clipper und BepiColombo.

Beim finalen Funktionstest im Staubbeschleuniger der Universität Stuttgart im März ‘26 waren alle Daten im Normbereich. Jonas Simloka, Heiko Strack, Florian Behrens und Andre Beck (v.i.n.r.) waren zufrieden.
Beim finalen Funktionstest im Staubbeschleuniger der Universität Stuttgart im März ‘26 waren alle Daten im Normbereich. Jonas Simloka, Heiko Strack, Florian Behrens und Andre Beck (v.i.n.r.) waren zufrieden.

Internationale Zusammenarbeit

Der DDA entstand in enger Zusammenarbeit internationaler Partner aus Wissenschaft und Industrie. Die Entwicklung der Elektronik erfolgte durch von Hoerner & Sulger GmbH und die Qualitätssicherung übernahm Space Works Innovations GmbH. Die Qualifikationstests des Flugmodells – einschließlich Thermal-Vakuum-, Vibrations- und Schocktests – wurden beim DLR in Bremen durchgeführt. Ein internationales Wissenschaftsteam unter Leitung von Harald Krüger vom MPS in Göttingen begleitete die Entwicklung wissenschaftlich. Der regelmäßige Austausch erfolgt zudem mit Hiroshi Imamura (JAXA Mission Management) sowie Tomoko Arai vom Planetary Exploration Research Center (PERC) in Tokyo.

Nächste Schritte bis zum Start 2028

Nach der Ankunft bei JAXA beginnt nun die ATLO-Phase (Assembly, Test and Launch Operations). In den kommenden Monaten wird zunächst die Elektronik des Instruments in die Raumsonde integriert und umfassend mit deren Bordelektronik getestet. Dazu gehören unter anderem Kommandierung, Telemetrie, thermische Tests sowie die Verifikation aller mechanischen und elektrischen Schnittstellen.
Parallel werden Flugsoftware, Operationskonzepte sowie Datenverarbeitung und Archivierung vorbereitet. Der Start der DESTINY+-Mission ist für das Frühjahr 2028 mit einer H3-Rakete von JAXA vorgesehen.

Fachlicher Kontakt:
Prof. Ralf Srama
E-Mail: srama@irs.uni-stuttgart.de
Tel.: +49 711 685 62511

Dr.-Ing. Heiko Srack
E-Mail: strack@irs.uni-stuttgart.de
Tel.: +49 711 685 69613

Dipl.-Ing. Jonas Simolka
E-Mail: simolka@irs.uni-stuttgart.de
Tel.: +49 711 685 69524

Pressekontakt:
Dr. Dörte Mehlert
IRS-Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: doerte.mehlert@irs.uni-stuttgart.de
Tel.: +49 711-685-69632

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