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Unter "Plasma" versteht man ein
Gas, das ionisiert ist. Abweichungen vom
Ladungs-trägergleichgewicht kommen im allgemeinen nur in einer
Dimension vor, die klein ist gegenüber dem insgesamt eingenommenen
Volumen. Die Mischung aus Neutralteilchen, Ionen und Elektronen ist
also von außen gesehen neutral (Quasi-Neutralität). Plasmen
existieren in einer überaus großen Vielfalt von
Erscheinungsformen. Die Beispiele reichen von der irdischen
Ionosphäre über die Flamme einer Kerze, die Glimmentladung
einer Neon-Röhre bis zum thermonuklearen Fusionsplasma. Für
die Raumfahrt von Bedeutung ist das Plasma, das sich bei Eintritt eines
Raumfahrzeuges in die Atmosphäre eines Himmelskörpers in
Oberflächennähe des Fahrzeugs ausbildet und das es in
Bodentestanlagen, in Plasmawindkanälen und Stoßkanälen
zu simulieren gilt (siehe hierzu die Vorlesung Wiedereintrittsprobleme von
Raumflugsystemen).
Ferner gewinnen die sogenannten
Plasmaantriebe für Satelliten und Raumsonden zunehmend an
Bedeutung (siehe hierzu die Vorlesung Elektrische Raumfahrtantriebe).
Ein Plasma kann im wesentlichen
durch die Temperaturen und Dichten der Plasmakomponenten und deren
Energieverteilungen charakterisiert werden. Für die
Raumfahrtanwendungen sind zusätzlich von Bedeutung die
Plasmageschwindigkeit, die spezifische Enthalpie, statischer Druck und
dynamischer Druck und der Wärmefluß auf einen
Probenköper. Aufgabe der Plasmadiagnostik ist die Messung dieser
Größen. Entsprechend der Vielfalt der Erscheinungsformen
eines Plasmas, bei denen sich die Plasmaparameter um viele
Größenordnungen unterscheiden können, gibt es auch eine
Vielfalt von experimentellen Methoden, die prinzipiell zur
Verfügung stehen. Es wird bei der Behandlung der verschiedenen
Meßprinzipien versucht, die jeder Methode eigenen Vor- und
Nachteile aufzuzeigen und auf Probleme und mögliche Fehlerquellen
hinzuweisen.
Zu Beginn der Vorlesung wird
zunächst auf die Grundlagen der Meßtechnik eingegangen.
Neben der Erläuterung allgemeiner Begriffe und einer kurzen
Darstellung der Fehlerrechnung liegt in diesem Kapitel ein Schwerpunkt
auf der Beschreibung der für den Experimentator heutzutage in
vielen Fällen praktisch unentbehrlich gewordenen Oszilloskope,
Speicheroszilloskope bzw. Transientenrecorder und den verschiedenen
Methoden der Analog/Digital-Wandlung.
Im Weiteren werden Verfahren zur
Druck-, Wärmefluß- und Enthalpiemessung in Plasmen
erläutert. Damit zusammenhängend werden vorab die allgemeinen
Methoden zur Bestimmung von niedrigen Drücken, von Temperaturen
und Massenströmen erläutert. Ein Schwerpunkt bildet hierbei
die Temperaturmessung mit Thermoelementen, da diese Methode am Institut
für Raumfahrtsysteme in großen Umfang angewendet wird.
Danach werden "elektrostatische
Sonden" behandelt, die speziell für die Untersuchung von Plasmen
entwickelt wurden. Sie nutzen in fast allen Anwendungsfällen die
Abhängigkeit des Ionen- bzw. Elektronenstromes, der auf eine dem
Plasma ausgesetzte Metallelektrode "fließt", von der an diese
Sonde angelegten Spannung. Im Gegensatz zu anderen Meßverfahren
ist allerdings eine, im Einzelfall relativ komplexe Theorie
erforderlich um aus dieser Strom-Spannungs-Charakteristik die
gewünschten Plasmaparameter wie z.B. Elektronentemperatur und
-dichte zu errechnen. Der apparative Aufwand ist dagegen
vergleichsweise gering.
Eine für die Diagnostik in
thermischen Plasmen bisher nur relativ selten eingesetzte Methode ist
die " Massenspektrometrie". Mit ihrer Hilfe ist es, im Gegensatz zu
anderen "Sondenmeßverfahren", die oft nur makroskopischen
Größen wie Druck, Dichte oder Temperatur erfassen,
möglich, die Zusammensetzung des Plasmas, d.h. die Anteile an z.B.
Stickstoff, Sauerstoff oder Argon zu bestimmen. Neben der Analyse von
Neutralteilchen können auch die verschiedenen Ionen nachgewiesen
werden. Einige Geräte gestatten sogar die Ermittlung der
Ionenenergieverteilung, woraus unter bestimmten Umständen auf die
Temperatur dieser Teilchen geschlossen werden kann. Als nachteilig
für die Anwendung der Massenspektrometrie muß hingegen der
recht hohe instrumentelle und damit finanzielle Aufwand gesehen werden
sowie die Tatsache, daß, aufgrund der hohen Empfindlichkeit des
Geräts, eine geringe Änderung der Umgebungsbedingungen die
Meßwerte beträchtlich verfälschen kann, was die
Auswertung und Vergleiche mit anderen Messungen mitunter stark
erschwert.
Während die bis dahin
behandelten Meßmethoden im weitesten Sinne als
Sondenmeßverfahren bezeichnet werden können, also als
Meßverfahren bei denen geeignet aufgebaute Sensoren in das zu
analysierende Plasma eingebracht werden, werden dann unter der
Überschrift "Berührungslose Verfahren" verschiedene
berührungslose, in der Praxis fast ausschließlich optische
Meßtechniken behandelt. Diese lassen sich grundsätzlich in
passive und aktive Meßverfahren einteilen, und unterscheiden sich
darin, daß die passiven Verfahren lediglich die vom Plasma selbst
emittierte Strahlung zur Analyse heranziehen, während die aktiven
die Plasmateilchen auf verschiedene Weise zur Strahlungsemission
anregen, um durch Auswertung dieser induzierten Strahlung bestimmte
Plasmaparameter zu bestimmen.
Zur ersten Gruppe zählen z.B. die " Emissionsspektroskopie", die "Pyrometrie" und die prinzipiell damit verwandte Radiometrie, sowie die "Fabry-Perot-Interferometrie", während die unterschiedlichen laserspektroskopischen Verfahren wie die "laserinduzierte Fluoreszenz" zur zweiten Gruppe zählen.
Über weitere, nicht am IRS
angewendete Verfahren zur "optischen Strömungsmessung" wird eine
Übersicht gegeben. Die Verfahren dieser Kategorie eignen sich nur
bedingt für die Analyse thermischer Plasmen, wenngleich
beispielsweise über die Anwendung der Laser-Doppler-Anemometrie in
der Literatur schon mehrfach berichtet wurde. Eine weitere
nicht-intrusive Diagnostiktechnik ist die Mikrowelleninterferometrie.
Mit ihr können über die Phasenverschiebung der das Plasma
durchdringenden Mikrowellen Elektronendichten speziell in Plasmen hoher
Ladungsträgerdichten gemessen werden. Die Technik ist
unabhängig von den Ionen im Plasma. Sie wird vor allem in
Bereichen eingesetzt, wo elektrostatische Sonden aufgrund der zu hohen
Ladungsträgerdichten nicht verwendet werden können.
Den Abschluß der Vorlesung
bildet ein kurzes Kapitel über Schubmessverfahren bei elektrischen
Triebwerken. Obgleich die Schubmessung sicher kein typisches
plasmadiagnostisches Meßverfahren im eigentlichen Sinne ist,
stellt sie im Grunde eine integrale Druckmessung dar und liefert als
solche, ebenso wie die Verfahren mit mechanischen Sonden, Informationen
über makroskopische Zustandsgrößen des betrachteten
Plasmas.



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