Im Vertiefungsfach „Raumfahrtsysteme“
werden die Grundlagen vermittelt, die zur Auswahl und Auslegung
wesentlicher Komponenten von unbemannten und bemannten Satelliten,
Raumfahrzeugen und interplanetaren Sonden erforderlich sind und
ein Verständnis der Gesamtsysteme erlaubt. Um den Studierenden
bei ihrer Diplom- oder Studienarbeit die Mitarbeit an aktuellen
Forschungsthemen des Institutes auf wissenschaftlichem Niveau zu
ermöglichen, werden Veranstaltungen angeboten, in denen numerische
und experimentelle Verfahren und Methoden vorgestellt und physikalische
Hintergründe vermittelt werden.
Im Vordergrund stehen bei den Komponenten die Antriebe, die Energieversorgung
und das Hitzeschutzsystem für atmosphärischen Eintritt.
Die Energieversorgung ist für jede Raumfahrtmission von zentraler
Bedeutung. In der Vorlesung „Energiesysteme für die Raumfahrt“
werden die Möglichkeiten der Energiegewinnung bzw. Energieumsetzung
von der Photovoltaik und den elektrochemischen Prozessen bis zu
Nuklearreaktoren dargestellt.
In der Vorlesung „Chemische Antriebe“ werden die Prozesse
in den Triebwerken erklärt und auf die wichtigen Treibstoffe
und Komponenten eingegangen. Trägersysteme und Kombinationsantriebe
werden detailliert behandelt.
Ein Verständnis für die Wirkungsweise, die erreichbaren
Triebwerksleistungen aber auch für die technischen bzw. physikalischen
Grenzen und die Einsatzbereiche der unterschiedlichen elektrischen
Antriebssysteme wird in der Vorlesung „Elektrische Raumfahrtantriebe“
vermittelt.
In der Vorlesung „Unkonventionelle Raumfahrtantriebe“
werden Antriebskonzepte diskutiert, die zwar zum Teil schon lange
vorgeschlagen wurden und teilweise neue Perspektiven für die
Raumfahrt eröffnen, jedoch aus unterschiedlichen Gründen
noch nicht zur Einsatzreife entwickelt wurden.
Der großen Bedeutung der Hitzeschutzvorrichtungen für
Eintrittskörper und Raumfahrzeuge wird mit der Vorlesung „Aerothermodynamik“
Rechnung getragen. Es wird ausführlich auf die Missionserfordernisse
unter Gesamtsystemaspekten eingegangen und die physikalischen und
chemischen Modellbildungen zur numerischen Simulation des atmosphärischen
Eintritts eines Flugkörpers eingegangen.
Mögliche Hitzeschutzmaterialien und ihre Einsatzbereiche sowie
unterschiedliche Hitzeschutzsystemarchitekturen werden in der Vorlesung
„Wiedereintrittstechnologie“ vorgestellt. Vor dem Missionshintergrund
werden insbesondere auf die Qualifikationserfordernisse eingegangen
und die verfügbaren Testanlagen zur Auslegung und Qualifikation
ausführlich besprochen.
In der Vorlesung „Plasmaströmungen“ werden Grundlagen
aus der Plasmaphysik vermittelt, die ein vertieftes Verständnis
der Plasmaquellen in der Raumfahrt und in der industriellen Anwendung
ermöglichen.
Berührungslose Messverfahren und Sondenmesstechniken zur Charakterisierung
der Plasmaströmungen in Plasmawindkanälen und elektrischen
Raumfahrtantrieben, die zumeist nicht im chemischen und thermischen
Gleichgewicht sind, werden in der Vorlesung „Messverfahren
für strömende Plasmen“ beschrieben und können
in einem zusätzlich angebotenen Praktikum erprobt werden.
Drei Vorlesungen befassen sich mit der Satellitentechnik, bei denen
der Systementwurf im Vordergrund steht. Der Stoff kann in zusätzlichen
Design Workshops vertieft werden.
Eine Einführung in das Wesen und den Entwurf von unbemannten,
größeren Satelliten wird in der Vorlesung „Satellitentechnik“
gegeben. Sie umfasst die Funktion wichtiger Komponenten, Bodentests,
Start und Betrieb.
Auf die Besonderheiten bei der Auslegung von Kleinsatelliten wird
in der Vorlesung „Kleinsatellitenentwurf“ näher
eingegangen. Der Stoff wird anhand der eingehenden Besprechung einzelner
Beispiele vertieft.
Die Besonderheiten bemannter Satelliten stehen in der Vorlesung
„Raumstationen – Systeme und Nutzung“ im Vordergrund.
Auf die internationale Raumstation ISS und ihre Nutzung wird ausführlich
eingegangen.
Raumfahrzeuge, Sonden und Satelliten müssen richtig positioniert,
auf Kurs gebracht und gehalten werden. Antennen, Solarflächen
und Sensoren gilt es auszurichten. In der Vorlesung „Lage-
und Bahnregelung von Raumfluggeräten“ werden daher die
Grundlagen für die Bahnberechnung, Bahnregelung, Bahnkorrektur
und die Regelungsmöglichkeiten für die Drehbewegung behandelt.
Alle Vorlesungen sind praxisorientiert. Die Dozenten versuchen den
Zusammenhang zwischen der Systemaufgabe und den Einzeldisziplinen
herzustellen.
Vorlesungsbegleitend werden terrestrische Energieversorgungsanlagen,
die Plasmawindkanäle, Triebwerksteststände und das Satellitenlabor
des IRS besucht. In der Regel wird darüber hinaus einmal im
Jahr für die Studierenden der Vertiefungsrichtung eine Exkursion
zu anderen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen im In- und
Ausland angeboten. Zur weiteren Vertiefung stehen in vielen Bereichen
noch Wahlfachveranstaltungen zur Verfügung.