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Universität Stuttgart

Highlight des Monats

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Highlight Nr. 30 – November 2008

Dem Absturz auf der Spur

Erfolgreiche ATV "Jules Verne" Beobachtungsmission

Ricarda und Andi im Flugzeug Am 29.9.2008 um 15:36 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit frieren die beiden Diplomingenieure Ricarda Wernitz und Andreas Knapp vom IRS an Bord einer 35 Jahre alten DC - 8 in einer Flughöhe von etwa 14 km über Tahiti. Ihre Mission: Den Absturz des europäischen Versorgungsmoduls ATV für die Internationale Raumstation ISS mit einem Teleskop zu verfolgen. Im Auftrag ihres Kollegen Dr.-Ing. Stefan Löhle wollen die beiden IRS Mitarbeiter Detailinformationen über die Entstehung und das Verglühen der Einzelteile gewinnen, in die das Modul bei seinem Eintrittsflug in die Erdatmosphäre zerfällt.

Seit April 2008 ist das europäische Versorgungsmodul ATV an der internationalen Raumstation angedockt gewesen. Es wurde gebaut, um Versorgungsgüter für die Astronauten und Experimente zur Raumstation zu bringen. Die ganze Flugmission des bei zehn Metern Länge und vier Metern Durchmesser durchaus riesigen Ungetüms endete mit dem Verglühen beim Eintritt in die Erdatmosphäre.

Die europäische Raumfahrtagentur ESA und die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA haben zur Beobachtung dieses Absturzes zwei Flugzeuge eingesetzt, die DC-8 und eine Gulfstream V der Firma Google. Diese wurden vorab mit Teleskopen, Spektrometern, Videokameras und vielen weiteren Fotoapparaten sowie diversen Computern ausgestattet, um den Absturz zu verfolgen und so den Zerfall des ATV zu protokollieren und den Verbleib eventuell giftiger Abfälle zu detektieren.

Damit diese Mission überhaupt stattfinden konnte, mussten Wissenschaftler zunächst den Ablauf des Absturzes in Zusammenarbeit mit dem Kontrollzentrum genau planen und den optimalen Ort und Termin hierfür festlegen: Der 29.9.2008 um 3:00Uhr Ortszeit morgens südwestlich von Tahiti. Hier befinden sich einerseits keine bewohnten Flächen, so dass Menschen nicht von herabfallenden Trümmern getroffen werden konnten. Andererseits gibt es hier keine für die Beobachtungen störenden Bodenbeleuchtungen, wie z.B. Straßenlaternen. Nicht zuletzt wurde die Neumondnacht vom 29. September ausgewählt, damit kein hell strahlender Mond die Messungen am Nachthimmel beeinträchtigen konnte.

Wissenschaftler aus vielen europäischen Ländern und verschiedenen US-amerikanischen Universitäten haben während dieser Mission zusammen gearbeitet. Insgesamt waren 13 Experimente an Bord der DC-8 und sechs Experimente an Bord der Gulfstream V. Zum Teil mussten vorab sogar noch speziell an die Instrumente angepasste Flugzeugfenster eingebaut werden. Entsprechend fanden ausgiebige Tests zur Dichtigkeit des Flugzeugs und der festen Montage der Instrumente statt, bevor die Wissenschaftler in weiteren Testflügen die Funktionalität der Instrumente überprüfen konnten.

Ricarda Wernitz und Andreas Knapp haben sich an der Dryden Aircraft Operation Facility in Plamdale, Kalifornien, auf ihre Flugmission vorbereitet. Sieben Tage lang haben Sie hier gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr.- Ing. Stefan Löhle ein Instrument zusammengebaut, welches die Strahlung im ultravioletten Spektralbereich zwischen ca. 300 und 400 nm erfassen sollte. In Kombination mit einer herkömmlichen Videokamera und einem Nachtsichtgerät konnte so der Himmel beobachtet werden und gleichzeitig die für das Auge nicht sichtbare UV-Strahlung detektiert werden. Vor dem Start wurde der ganze Aufbau im Flugzeug fest verschraubt und verkabelt.

Mitten in der Nacht vom 29. September etwa drei Flugstunden südlich von Tahiti war dann der spannende Moment gekommen: Andreas Knapp richtete die UV Kamera auf das eintretende ATV - Raumfahrzeug aus während Ricarda Wernitz sich darauf vorbereitete, die eintreffenden Daten mit dem Computer zu erfassen. Um 3:36 Uhr Ortzeit erschien dann plötzlich ein Leuchten am Nachthimmel. Sobald die Kamera das ziel erfasst hatte, konnte Ricarda Wernitz ein schwaches Leuchten detektieren. Das auftretende Licht wurde zunehmend grell und die Anzahl der beobachten Explosionen nahm zu. Schon jetzt war klar: Die Mission verläuft erfolgreich. Die beiden IRS Ingenieure konnten eine große Menge UV Daten sammeln. Außerdem wurde nahezu der komplette Zerfall des ATV in einem eindrucksvollen Video festgehalten werden.

In den kommenden Wochen und Monaten werden die beiden Diplomingenieure Ricarda Wernitz und Andreas Knapp nun mit ihren Kollegen Dr.-Ing. Stefan Löhle und Dr.-Ing. Georg Herdrich die Daten auswerten und sich dann im Februar während eines Workshops mit anderen Kollegen austauschen und über ihre neuen Erkenntnisse diskutieren. "Wir sind gespannt, was dabei rauskommt!", freut sich Stefan Löhle. "Gratulation an die Experimentatoren und vielen Dank für die Unterstützung der IRS Kollegen in Stuttgart sowie in Kalifornien.

Bilder:
Ricarda und Andi im Flugzeug
Ricarda und Andi im Flugzeug DC-8 in Dryden Die drei Mitarbeiter des IRS im Flugzeug ATV am Nachthimmel Gruppenbild des IRS-Teams

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