Simulation eines instationären,
gepulsten MPD-Triebwerks für die IRS-Mondmission BW1
Zielsetzung
Seit einiger Zeit wird am IRS an der Entwicklung
eines instationär gepulsten magnetoplasmadynamischen (MPD)
Triebwerks geforscht. Ziel ist die Auslegung eines flugfähigen
Triebwerkes für den geplanten Mondsatelliten BW1. Damit ist
das IRS das derzeit einzige Forschungsinstitut in Westeuropa, das
sich systematisch in Konkurrenz zu den USA, Russland und Japan mit
der Entwicklung dieser Triebwerke befasst
...
mehr zum IMPD-Triebwerk
Um verdünnte Plasmen unter Bedingungen simulieren
zu können, unter denen kein Kontinuum mehr angenomen werden
kann, wurde eine Kooperation zwischen dem IRS, dem Institut für
Aero- und Gasdynamik der Universität Stuttgart
(
IAG),
dem Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart
(
HLRS)
und dem Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik
des Forschungszentrums Karlsruhe
(
IHM)
vereinbart. Innerhalb des von der
Landesstiftung
Baden-Württemberg finanzierten Projekts "Modellierung und
Simulation auf Hochleistungscomputern" wird im Rahmen dieser
Kooperation ein Verfahren zur numerischen Lösung der Boltzmanngleichung
für verdünnte Plasmen entwickelt. Die Hauptanwendung für
dieses Verfahren ist die Simulation des oben erwähnten Triebwerks.
Unter anderem sollen die Verlustmechanismen durch Neutralteilchen
innerhalb des Triebwerks untersucht werden sowie Parameterstudien
zur optimalen Auslegung durchgeführt werden.
Anforderungen an das Simulationsverfahren
- Ionen und Neutralteilchen verschiedener Spezies sowie Elektronen
müssen berücksichtigt werden.
- Kurze Entladungszeit -> kein thermo-chemisches Gleichgewicht
- Berücksichtigung von
- Wechselwirkungen der geladenen Teilchen aufgrund der Eigenfelder
sowie externer elektrischer und magnetischer Felder
- elastischen und inelastischen Stößen sowie chemischen
Reaktionen zwischen allen Teilchen
- →
Lösung
der gesamten Boltzmanngleichung erforderlich
- Geringer Druck und Dichte -> kein Kontinuum (Kn > 0,1)
- Navier-Stokes Näherung nicht anwendbar
- →
Partikelverfahren
- Hohe Teilchenzahl -> Hoher Speicher- und Rechenzeitbedarf
Beschreibung des Simulationsverfahrens
Das folgende Schaubild erläutert die generelle Funktionsweise
des verwendeten Particel-In-Cell Verfahrens.

Maxwell-Löser
Berechnung der elektrischen und magnetischen Felder auf einem Gitter
unter Verwendung der Maxwell-Gleichungen.
| Hauptverantwortung: |
Institut für Aero- und Gasdynamik der Universität
Stuttgart (
IAG
)
|
|
Institut für Raumfahrtsysteme der Universität
Stuttgart (IRS)
|
Fokker-Planck
Berechnung der elastischen Coulomb-Kollisionen der geladenen Teilchen.
Hauptverantwortung: Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik
des Forschungszentrums Karlsruhe (
IHM)
DSMC - Modellierung der Teilchenkollisionen
Die Modellierung der Teilchenkollisionen wird größtenteils
am IRS durchgeführt. Dafür wird ein auf
Bird
basierendes DSMC-Verfahren verwendet, welches gemäß dem
dargestellten PIC-Zyklus einen durch die Kollisionen resultierenden
Geschwindigkeitsbeitrag für jedes simulierte Teilchen liefert.
Das DSMC-Verfahren ist ein stochastisches Verfahren,
welches aufgrund statistischer Annahmen den Rechenaufwand für
die Kollisionsberechnungen auf einen linearen Zusammenhang zur Teilchenzahl
reduziert.
Es werden nicht nur elastische Kollisionen simuliert,
sondern auch inelastische, d.h. chemischen Reaktion bei atomaren
Spezies und Reaktion+Relaxation bei molekularen Spezies. Lediglich
die (elastischen) Coulomb-Stöße, welche auf große
Reichweiten der Teilchenwechselwirkungen beruhen, werden nicht im
DSMC-Modul behandelt, sondern im Fokker-Planck-Modul.
Zur Überprüfung der chemischen Modelle
werden sogenannte Reservoirsimulationen durchgeführt. Das Reservoir
besteht aus einer einzigen Zelle mit mind. 50.000 Teilchen, die
sich im thermischen und chemischen Nichtgleichgewicht befinden.
Sind die implementierten Modelle korrekt, entwickelt sich das Gas
in ein thermochemisches Gleichgewicht. Die dargestellten Abbildungen
zeigen die Ergebnisse einer Reservoirsimulation eines neutralen
O-O2-Gemisches. Es ist deutlich zu erkennen, wie das Gemisch nach
etwa 50.000 Iterationsschritten ins thermische und nach etwa 300.000
ins chemische Gleichgewicht kommt.


Weitere Anwendungen
Instationär gepulste MPD-Quelle für industrielle Anwendungen

Anwendungen:
- Thermisches Härten und Schockhärten
- Ätzverfahren und Dekontamination
- Dünnschicht- und Filmerzeugung
- Nichtgleichgewichts-Legieren
Gekoppelter Seil-/Ionenantrieb

- Gekoppeltes Antriebskonzept eines Ionenantriebs mit einem „Seilantrieb“
(ESA-Konzept).
- Ionenantrieb und Elektronenquelle sind durch ein mehrere Kilometer
langes, stromführendes Kabel verbunden, wobei der Stromkreis
außerhalb des Seilantriebs über die Restatmosphäre
geschlossen wird.
- Durch Bewegung des Raumfahrzeugs auf Umlaufbahn schneidet das
stromführende Kabel die magnetischen Feldlinien der Erde.
- Erfolgende Lorentzkraft, kann als Antrieb genutzt werden.
- Extreme räumliche Trennung von Ionentriebwerk und Neutralisator.
- →
Auftretende Wechselwirkungen zwischen den Teilchen und dem Seilantrieb
sowie der Restatmosphäre sind ungeklärt und werden mittels
dieses Verfahrens untersucht.
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Dejan Petkow
Institut für Raumfahrtsysteme
Universität Stuttgart
Pfaffenwaldring 31
D-70569 Stuttgart
Tel.: (+49) 711 685-62377
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