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Elektrostatische Sonden können in stationären und strömenden
Plasmen zur Bestimmung des Plasmapotentials, der Elektronentemperatur, der
Elektronendichte, der Ionentemperatur und der Geschwindigkeit in strömenden
Plasmen eingesetzt werden. Obgleich elektrostatische Sonden in ihrer
experimentellen Handhabung einfach sind, ist die Theorie zur Auswertung der
Messungen im Detail recht kompliziert aufgrund der Störung des Plasmas
durch die Sonde, die stark von der Dimensionierung der Sonde und den
Eigenschaften des Plasmas abhängt.
Neben der klassischen Langmuirschen Einzelsonde gibt es elektrostatische
Doppelsonden und Tripelsonden. Während elektrostatische Einzel- und
Doppelsonden die Auswertung einer Strom-Spannungskennlinie an einem lokalen
Meßpunkt
im Plasma erfordern, ermöglichen Tripelsonden die direkte Darstellung der
Plasmaparameter z.B. beim schnellen Durchfahren eines Plasmastrahls.
Üblicherweise
kommen in der Plasmadiagnostik sphärische oder zylindrische
Sondenelektroden zum Einsatz. Spezielle Anwendungen erfordern auch den Einsatz
von planaren oder konischen Sonden oder von Mischformen der verschiedenen
Geometrien. Plasmageschwindigkeiten werden mit elektrostatischen Flugzeitsonden
bestimmt, das Plasmaströmungsfeld ist durch Messungen mit Rotations- oder
Winkelsonden ermittelbar. Aus dem gemeinsamen Einsatz von Flugzeitsonden und
gekreuzten Einzelsonden kann die Ionentemperatur in strömenden Plasmen
abgeschätzt werden.
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Meßkopf einer Tripelsonde
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Eine elektrostatische Sonde besteht in ihrer einfachsten Form aus einer
Metallelektrode, die in ein zu untersuchendes Plasma eingebracht wird. Mit einer
Spannungsversorgung wird das Potential der Sondenelektrode gegenüber dem
Plasmapotential variiert und der vom Sondenpotential abhängige
Ladungsträgerstrom
zur Sonde gemessen. Aus der Strom-Spannungscharakteristik der Sonde können
über
die für die Plasmabedingungen geeignete Theorie die oben genannten
Plasmaparameter abgeleitet werden. Der Stromkreis wird über die
Referenzelektrode geschlossen, die entweder ein mit dem Plasma in direktem
Kontakt stehendes Metallteil des Plasmabehälters oder eine weitere
Elektrode im Plasma ist.
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Die Meßtechnik beim Betrieb von elektrostatischen Einzel- und
Doppelsonden besteht in der Aufnahme einer Strom-Spannungs-Kennlinie. Durch
Anlegen einer äußeren Spannung zwischen einer Einzelsondenelektrode
und einer mit dem Plasma in Kontakt stehenden Referenzelektrode oder zwischen
den beiden Doppelsondenelektroden, wird das elektrische Potential V der Sonde
gegenüber dem konstanten Plasmapotential VPL variiert. Der Gesamtstrom zu
einer Sondenelektrode setzt sich aus der Summe von Ionenstrom und
Elektronenstrom zusammen. Für ein stark negatives Sondenpotential werden
alle Elektronen in der Umgebung der Sonde abgestoßen und ein reiner
Ionenstrom fließt zur Sonde. Für zunehmend positivere
Sondenpotentiale wird ein Übergangsbereich erreicht, in welchem der
Elektronenanteil am Gesamtstrom zur Sonde anwächst. Der Verlauf des
Elektronenstroms in diesem Übergangsbereich ermöglicht die Bestimmung
der Elektronentempertur und der Elektronendichte, sowie die Bestimmung der
Elektronenergieverteilung. Im Falle einer Maxwellverteilung der
Elektronenenergien, steigt der Elektronenstrom exponentiell mit dem
Sondenpotential an. Am sogenannten "Floating"-Potential entspricht der
Elektronenstrom betragsmäßig dem Ionenstrom und der Gesamtstrom zur
Sonde ist null. Für gegenüber dem Plasmapotential positive
Einzelsondenpotentiale wird der Bereich der mit einem reinen Elektronenstrom
erreicht. Der Elektronensättigungsstrom ist aufgrund der höheren
Beweglichkeit der Elektronen um ein bis zwei Größenordnungen
höher
als der Ionensättigungsstrom. Ersetzt man die Referenzelektrode zur
Einzelsondenelektrode durch eine weitere ebenfalls zylindrische Elektrode in
unmittelbarer Nähe der ersten Elektrode, so hat man eine elektrostatische
Doppelsonde. Bei der elektrostatischen Doppelsonde wird die äußere
Potentialdifferenz zwischen den zwei meist gleichflächigen Sondenelektroden
angelegt. Wird durch Anlegen einer äußeren Spannung zwischen den
beiden Elektroden, das Potential einer Sondenelektrode negativer gegenüber
dem Plasma, so verhält sich die Sonde analog zu einer Einzelsonde, d.h. es
zeigt sich eine zunehmende Verminderung des Elektronenstromanteils bis hinein in
den Bereich des reinen Ionenstroms. Ist die von außen angelegte Spannung
null, so "floaten" beide Sondenelektroden, und der Gesamtstrom zur
Sonde ist null. Bei Umpolung der Doppelsonde wird die andere Elektrode zunehmend
negativer gegenüber dem Plasmapotential und kommt somit in den Bereich des
reinen Ionenstroms. Der mögliche Gesamtstrom wird aufgrund der geringeren
thermischen Beweglichkeit der Ionen durch den niedrigeren Ionenstrom begrenzt.
Die Bestimmung der Elektronetemperaturen und Elektronendichten erfolgt wieder
aus dem Stromverlauf.
Die Nachteile der notwendigen relativ langen Verweilzeit im Plasmastrahl zur
Aufnahme einer Strom-Spannungskennlinie bei der Verwendung von Einzel- und
Doppelsonden und die Belastung durch hohe Ströme kann mit dem dritten
verwendeten Sondentyp umgangen werden. Bei der elektrostatischen Tripelsonde
wird einer symmetrischen Doppelsonde eine gleichflächige Einzelsonde
zugefügt.
An die Elektroden der Doppelsonde wird eine feste Spannung angelegt. Die
Einzelelektrode "floatet" mit dem Plasmapotential, d.h. sie zieht
einen betragsmäßig gleichen Ionen- und Elektronenstrom. Für
genügend
große Doppelsondenspannungen kann zwischen der Doppelsonde und der
floatenden Einzelsonde eine Potentialdifferenz gemessen werden, aus welcher in
einen näherungsweise linearem Zusammenhang direkt die Elektronentemperatur
entnommen werden kann. Das erlaubt eine unmittelbare Darstellung der
Elektronentemperatur beim radialen Durchfahren des Plasmastrahls. Die
Elektronendichte folgt wiederum aus einer Strommessung im
Doppelsondenkreis.
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Tripelsonde im Plasma
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Eine Rotationssonde ermöglicht eine leicht durchzuführende Methode
zur Bestimmung der Strömungslinien in einem divergierenden Plasmastrahl.
Dreht man eine zylindrische Einzelsonde an einer bestimmten Position im
Plasmastrahl um ihre Querachse und nimmt man an, daß die Plasmaparameter
im überstrichenen Raumbereich konstant sind, so ist der Anströmwinkel
die einzige veränderliche Größe. Die Variation des
Anströmwinkels
bewirkt eine Änderung des Stroms zur Sonde, der im Falle einer parallelen
Ausrichtung ein Minimum aufweist.
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Eine Flugzeitsonde zur Bestimmung der Plasmageschwindigkeit besteht aus zwei
Doppelsonden, die in einem definierten Abstand hintereinander im Plasmastrahl
angeordnet sind. An beiden Doppelsonden werden Schwankungen in der lokalen
Ladungsträgerkonzentration als Schwankungen im gemessenen Ionenstrom
sichtbar. Bewegt sich eine solche Schwankung der Ladungsträgerdichte mit
der Strömung des Plasmas, so ist sie zuerst an der vorderen und
entsprechend der Geschwindigkeit der Strömung mit einer
Zeitverzögerung
an der hinteren Sonde nachweisbar. Die Zeitverzögerung läßt sich
aus einer Kreuzkorrelation der beiden, über ein bestimmtes Zeitintervall
gemessenen Ionenstromverläufe bestimmen. Mit dem bekannten Abstand der
beiden Doppelsonden kann dann die mittlere Geschwindigkeit des Plasmas über
die Strecke zwischen den beiden Doppelsonden berechnet werden.
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Überblick über die am IRS verwendeten elektrostatischen Sonden
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Sondentypen
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Meßgrößen
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Einzelsonden
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Elektronentemperatur Te , Elektronendichte
ne , Plasmapotential, Elektronenenergieverteilung.
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Doppelsonden
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Elektronentemperatur Te,
Ladungsträgerdichte nL , Elektronendichte ne
unter der Annahme von Quasineutralität.
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Tripelsonden
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Elektronentemperatur Te , Elektronendichte ne.
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Flugzeitsonden
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Flugzeit von Schwankungen in der Ladungsträgerdichte,
Plasmageschwindigkeit
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gekreuzte Einzelsonden
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Stromverhältnis
I| / I|| ,
Plasmageschwindigkeit bei bekannter Ionentemperatur
Ionentemperatur oder TI
bei bekannter Plasmageschwindigkeit
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Rotationssonden
(rotierende Einzelsonden)
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Linienform des Ionenstroms
Plasmaströmungslinien
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Winkelsonden
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Linienform des Ionenstroms beim Durchfahren des Plasmastrahls
Winkels paralleler Anströmung, Plasmaströmungslinien.
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