Übersicht
In elektrostatischen Triebwerken werden postitive
geladene Teilchen, meist Ionen, mittels elektrischer Fleder
beschleunigt (siehe nachfolgendes Schema). Man nennt diese
Antriebe daher Ionentriebwerke
(IT). Einen Sonderfall stellt das sogenannte
Kolloidtriebwerk dar, bei dem geladene Tröpfchen beschleunigt
werden. Bei Kolloidtriebwerken kam es jedoch zu Schwierigkeiten,
da sich die organischen Treibstoffe, wie z.B. Glyzerin, unter
Einfluß der Höhenstrahlung zersetzen. Daher werden
diese Geräte zur Zeit nicht mehr entwickelt und hier
auch nicht diskutiert. Der positiv geladene Teilchenstrom
muß durch Zugabe von Elektronen außerhalb der
Beschleunigungsstrecke neutralisiert werden.

Die verschiedenen Typen von Ionenantrieben
unterscheiden sich hauptsächlich in der Art der Ionenerzeugung.
Es gibt vier Haupttypen:
- Kaufman-Triebwerk
- Radiofrequenz-Ionen-Triebwerk (RIT)
- Feldemissionstriebwerk (FET)
- Kontaktionisationstriebwerk (KIT)
Kaufman-Triebwerk
Beim Kaufman-Triebwerk, das nach seinem Erfinder
Prof. Kaufman, USA, benannt wurde, wird mit Hilfe einer Lichtbogenentladung
ein Plasma erzeugt und die Ionen werden durch ein Gitter extrahiert,
es wird daher auch als Elektronenstoß-Ionentriebwerk
bezeichnet. Ein Magnetfeld hält das Plasma von den Wänden
fern und erhöht die Ionenausbeute (siehe nachfolgendes
Schema).

Als Kathoden werden meist Wolframhohl-kathoden
benutzt, die in der Regel mit einem Schutzschild versehen
sind, um eine Zerstörung durch Ioneneinschlag zu verhindern.
In den USA werden Kaufman-Triebwerke vor allem im NASA Lewis
Research Center und im Hughes Research Laboratory entwickelt
und getestet . Es werden Geräte mit Gitterdurchmessern
zwischen ca. 10 cm und 50 cm gebaut. Dies entspricht einem
Schubbereich von ca. 20 mN bis 0.6 N.
Kaufman-Triebwerke sind in den USA seit 1972
einsatzfähig. Es fanden bisher drei Flugexperimente statt:
SERT I (Space Electric Rocket Test) und SERT II und auf dem
ATS6 Satelliten; alle diese Experimente erfolgten mit Cäsium
als Treibstoff. SERT II wurde auf einer AGENA-Stufe geflogen
(3700h), es kam zum Kurzschluß wegen eines Gitterbruches.
Auch das Experiment auf dem ATS6 Satelliten wurde auf Grund
eines Kurzschlusses, wahrscheinlich herbeigeführt durch
Cäsiumtropfen, abgebrochen.
1982 flog ein japanisches Kaufman-IT der
2 mN-Klasse mit Quecksilber als Treibstoff auf ETS-III (Engineering
Test Satellite). Es arbeitete einige hundert Stunden erfolgreich.
Es ist geplant, Anfang der 90er Jahre den Satelliten ETS VI
mit einem Xenon-IT zur Lageregelung auszustatten.
Mitte der 70er Jahre wurde in Großbritannien die Entwicklung
von Ionentriebwerken eingestellt und erst 1986 wieder aufgenommen.
Es ist nun geplant, zwei englische IT und zwei RIT ca. 1995
auf ARTEMIS, einem experimentellen Nachrichtensatelliten der
ESA, zu fliegen.
Darüber hinaus werden Kaufman-Triebwerke
heute in der UdSSR und China entwickelt. In Deutschland wurde
bei der DLR in Braunschweig bis 1974 an Kaufman-Triebwerken
gearbeitet.
Hochfrequenz Ionentriebwerke
Beim Radiofrequenz-Ionen-Triebwerk RIT wird
das Plasma elektrodenlos mittels Hoch-(Radio)-Frequenz erzeugt,
um das Problem der Kathodenzerstäubung im Entladungsgefäß
zu umgehen. Dieses Prinzip wurde von Prof. Löb, Universität
Gießen, erfunden. RIT werden in Zusammenarbeit mit der
Universität Gießen von MBB entwickelt und qualifiziert
(siehe nachfolgendes Schema).
.
RIT wurden mit Durchmessern der Gitter von
4 cm bis 35 cm gebaut und getestet, was einem Schubbereich
von 2 mN bis 200 mN entspricht. Die ersten RIT wurden für
Quecksilber als Treibstoff ausgelegt. Das RIT-10 mit einem
Gitterdurchmesser von ca. 10 cm wurde mit diesem Treibstoff
qualifiziert. Aus Gründen der Kontamination wurden jedoch
in den letzten Jahren alle Geräte auf Xenon umgestellt.
Feldemissionstriebwerke (FEEP)
In Feldemissionstriebwerken werden geladene
Teilchen, Ionen oder kolloide Tröpfchen, durch Feldemission
erzeugt, d.h. sie werden durch Anlegen einer besonders hohen
Spannung direkt aus dem flüssigen Treibstoff extrahiert.
Da die für Kolloidtriebwerke in Frage kommenden organischen
Treibstoffe nicht stabil genug sind, werden diese Geräte
nicht mehr untersucht. Man versteht heute unter Feldemissionstriebwerken
nur noch Ionentriebwerke.
Da bei Feldemissionstriebwerken die Austrittsgeschwindigkeiten
extrem hoch sind (> 60 km/s) und wie für Kontaktionisationstriebwerke
nur metallische Treibstoffe in Betracht kommen, ist auf Grund
zu befürchtender Kontaminationsprobleme die Entwicklung
auch dieser Geräte weitgehend eingestellt worden. Nur
die ESA entwickelt zur Zeit zusammen mit SEP ein gepulstes
Feldemissionstriebwerk für Regelungszwecke.
Kolloidionentriebwerke
Ionenbündel (Tröpfchen) können
an scharfen Kanten oder Spitzen durch hohe elektrostatische
Felder erzeugt und beschleunigt werden. Dieses Prinzip findet
derzeit keine Anwendung. |